Habitate

Paläobiologische Ansätze zur Habitatrekonstruktion

Christine Hertler

Die Expansionen von Repräsentanten der Gattung Homo werden unter anderem auch von den natürlichen Lebensgrundlagen mitbestimmt. Im Verlauf der Evolution der Menschen hat sich der Einfluß dieser Faktoren jedoch gewandelt. Anders als ihre unmittelbaren Vorfahren waren Repräsentanten der Gattung Homo zum Beispiel nicht mehr auf Lebensräume in Afrika eingeschränkt. Sie waren in der Lage, eine größere Vielfalt von Lebensräumen zu besiedeln und erforderliche Ressourcen dort zu erschließen, wo es ihren Vorfahren noch versagt geblieben war. Durch die gezielte Untersuchung von Expansionen lässt sich dieser Wandel nachvollziehen. Die Auseinandersetzung früher Menschen mit ihren Lebensräumen, ihre spezifischen Formen der Ressourcennutzung und die biologische Ausstattung der Lebensräume werden im paläobiologischen Projektteil untersucht. Hierfür werden die Habitate rekonstruiert, in denen frühe Menschen lebten. Dabei liefern praktisch alle biotischen Komponenten eines Habitats Aussagen über lokale Umweltgegebenheiten. So lassen sich zum Beispiel Auswirkungen von Konkurrenzen um die Nutzung von Ressourcen unter anderem an Veränderungen in der Häufigkeit von Konkurrenten ablesen. Andere Habitat-Eigenschaften, wie Vegetationsdichte, saisonale Schwankungen im Ressourcenangebot oder etwa dessen relative Feuchtigkeit können mit Hilfe ökologischer Faunenprofile ermittelt werden. Im paläobiologischen Projektteil werden solche Indikatoren identifiziert, gesammelt und analysiert.

Paläobotanische Umweltrekonstruktionen

Angela Bruch

Um ein umfassendes Bild von der Landschaft und den Umweltweltbedingungen zu bekommen, die den Lebensraum des frühen Menschen prägten, und um die Einflüsse dieser Umwelt auf die Ausbreitung der Menschen zu verstehen, ist das Ziel der Arbeitsgruppe "Paläobotanik" der Forschungsstelle die quantitative Rekonstruktion von Klima und Vegetation. Afrikanische und eurasische fossile Floren aus dem Zeitraum von 3 Millionen bis 20.000 Jahre vor heute werden mit standardisierten Methoden analysiert, um räumliche Klima- und Vegetationsmuster zu quantifizieren. Daneben liefern zeitlich hochaufgelöste Profile aus Schlüsselregionen wichtige Daten zur zeitlichen Entwicklung von Klima und Vegetation so wie zur Quantifizierung der Amplituden solcher Schwankungen. Die paläobotanischen Analysen basieren auf kompilierten Literaturdaten, eigenen Projekten (e.g. Kaukasus) und internationalen Kooperationen (NECLIME, Neotoma) erlauben die Rekonstruktion der raum-zeitlichen Verteilungsmuster von Umweltparametern. Zusammen mit paläontologischen, geologischen und auf Computer-Modellierungen basierenden Befunden und im Vergleich mit raumzeilichen Mustern der archäologischen Befunde können so für bestimmte Zeitabschnitte die jeweiligen Einflüsse der physischen Umwelt auf die Ausbreitung des frühen Menschen erfasst und potentielle Ausbreitungsrouten identifiziert werden. Möglicherweise können so in Zukunft auch Routen in Regionen, für die keine archäologischen Daten zur Verfügung stehen, vorhergesagt werden.